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Das roBerge-Forum => Alle roBerge-Boards => Bergtouren => Thema gestartet von: geroldh am 05.07.2026, 15:17

Titel: 25.-28.06.26: Berchtesg. Alpen: NaturNah über'm Königssee (Burgstall)
Beitrag von: geroldh am 05.07.2026, 15:17
Bereits in der kalten Jahreszeit geplant, möchte ich ein verlängertes Wochenende am Königssee verbringen und im Gelände nach alten Steigen forschen bzw. diese "begehen". Dabei passt es ganz gut, dass ich hierbei stets unter der Waldgrenze bleibe und damit überwiegend im Schatten der Bäume unterwegs sein werde, da ein wahres Hitze-Wochenende #sonne3#  angekündigt ist.

#guteidee# Die Intention hierzu kam als Recherche-Folge von einer "Fundsache" im Netz, deren (historischer) Inhalt mich angesprochen hat, die mir aber bisher "irgendwie verborgen" blieb:
Die Holzbringung aus dem Einzugsgebiet des Königssees - Forschungsbericht (Band 38) (https://www.nationalpark-berchtesgaden.de/service/publikationen/forschungsberichte/doc/fb_38.pdf) (1997, 80 Seiten, PDF 14 MB)
Im Nachgang mit dem passenden Suchbegriff konnte noch eine kürzere Zusammenfassung
Heimatkundeverein Berchtesgaden: Die Holzfälle am Königssee (https://www.heimatkundeverein-berchtesgaden.de/dl/6534e3f0004ea44777682ec32d35a01e/) (um 2000 ?, 4 Seiten, PDF 300 KB)
sowie der Originaltext eines Beitrags aus der "Gartenlaube", einem illustrierten Familienblatt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, gefunden werden:
Der Holzsturz im bayerischen Hochgebirg (https://de.wikisource.org/wiki/Der_Holzsturz_im_bayerischen_Hochgebirg) (ca. 1857, "3 Seiten").

Eines der früheren Holzbringungs-Gebiete ist am Burgstall bzw. dem Burgstallstein gelegen, einem unbeachteten Bergausläufer, an dem heute* jede/r am Sockel vorbei muß, der/die von St. Bartholomä aus weiter in das Gebiet des Nationalpark Berchtesgaden hinein möchte und der sich weiter aufbauend als Hachelköpfe in westlicher Richtung als Gratverlauf fortsetzt. Mit dem Hintergrundwissen aus diesen Publikationen erklärt sich auch der Begriff "Trockener Holzsturz", der bis 1936 in amtlichen Karten dort oberhalb des Königssees zu lesen war und nach dem letzten Ereignis im Jahr 1938 "getilgt" wurde.
Wesentlich häufiger angewandt und damit auch noch im Gedächtnis der Neuzeit verankert, sind alte (hölzerne und steinerne) "Klausen", die das Triften von Holz entlang der Bäche ermöglichten. Dies wurde als "Nasser Holzfall" bezeichnet und "der bekannteste" am Königssee war einst der den Königsbach-Wasserfall hinab - heute tw. "Sperrgebiet" (,,Instagram-Gumpen" => Vegetationsschutzgebiet) (https://www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de/service/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung.htm?PMNr=20/21), weil sich die überwiegend jüngere Generation einer konsumierenden Gesellschaft nicht benehmen konnte.
#gruebelgruebel# Andere natur-sensible Örtlichkeiten werden im übrigen mit Infrarot-Zählanlagen "überwacht" (https://www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de/service/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung.htm?PMNr=48/25), die "getarnt" seitlich von Trittpfaden, z.B. zu "Badeplätzen" auf Bartholomä, angebracht sind. Damit sollen ergänzend zu den sichtbaren Trampelpfaden weitere Hinweise zur Besucheranzahl gewonnen werden.
#geheim# Das "digitale" Besuchermanagement (https://www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de/service/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung.htm?PMNr=45/23) (Tourentipps), bzw. die "digitale Wissensvermittlung" an Interessierte, dürfte hoffentlich von allen Beteiligten mit Augenmaß angewandt werden - und vmtl. als "Graubereich" (= hohe "Eigenverantwortung"?, Toleranz?) könnte die Frage zu sehen sein, ob es (heute und morgen) ein traditionelles, durchaus "naturverträgliches Bergsteigen im Nationalpark" #schinder#, d.h. auch abseits der sog. "offiziellen Routen", geben darf...

* #wiki# Die Ursprünge des Nationalpark Berchtesgaden (https://www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de/natur/nationalpark/geschichte/index.htm) wurden im Jahr 1910 gelegt, gefolgt von einer Erweiterung im Jahr 1921 und der eigentlichen "Fixierung" im Sommer 1978. Davor wurde das gesamte Gebiet, wie anderswo in den Alpen auch, entsprechend landwirtschaftlich und holzwirtschaftlich genutzt. Ein Teil des heutigen Wegenetzes ist auf alte (Viehtrieb-)Pfade und (Holzknechte-)Steige zurückzuführen, die später überwiegend vom Alpenverein (Gründung 1869) in seinen jungen Jahren ausgebaut und (wo erforderlich und sinnvoll) ergänzt wurden. Eine dieser Wege-Ergänzungen führt direkt unter dem alten "Trockenen Holzsturz" - vergleichbar dem Felssturz am Koenigssee (Sonntag-Mittag, 14. Aug. 2011) (https://www.youtube.com/watch?v=nCOd9Bb2CxQ) - am Fuße des Burgstalls vorbei (Verbindung Bartholomä - Schrainbach). Vielleicht hatten zuvor die Holzknechte eine anspruchsvolle Möglichkeit gefunden, an der dort etwas steiler ins Wasser abfallenden Felswand vorbei zu gelangen, doch für die allgemeine, pilgernde und wandernde Bevölkerung war sie sicher nicht geeignet, wie ich aus folgender Begebenheit zu interpretieren glaube:
Gemäß dem TV-Beitrag Das Schiffsunglück vom Königssee (https://www.ardmediathek.de/video/zwischen-spessart-und-karwendel/das-schiffsunglueck-vom-koenigssee/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvL2ViZjljY2U5LWEyZGItNDRmMi1iZWY5LTFmNjYwZGY5M2U0Yg) (BR, Wdh. 2017, auch YT (2014) (https://www.youtube.com/watch?v=1LfZuTgDAt8)), welches sich am 23. Aug. 1688 gegenüber von St. Bartholomä ereignete, sowie der "amtlichen", eher skizzierenden Kartendarstellung bis 1899, dürften die Pilger aus dem österreichischem Pinzgau über das Steinerne Meer kommend, entweder am Funtensee vorbei (Sagerecksteig oder Saugasse und Viehtriebsteig hinab) oder unwahrscheinlicher ggfs. mit Boot den "Ober-See" übersetzend (beidseits blockierende, steile Felswände), anschließend via Salat am Ostufer des Königssee entlang zur Übersetz-Stelle "Im Reitl" gelangt sein. Vmtl. ist im Filmbeitrag der heutige Steig vom Schrainbach-Wasserfall unter der Felswand "Burgstallstein" entlang gemeint, der erst im Jahr 1880 vom AV angelegt wurde (vgl. bei 6:28 Min. im Video) und erstmals, basierend auf einer detaillierteren Kartendarstellung, in der Zeitreise-Karte von 1900 (https://atlas.bayern.de/?c=797738,5272009&z=16&r=0&l=tk,zeitreihe_tk&l_t=,1900&l_sa=l,r&t=ba&tid=compare&mid=1&sr=0.57) sichtbar wurde.

Die (touristische) Schifffahrt Königssee (Übernachtung z.B. Unterschönau) kann "den Zustieg" in einem gewissen Rahmen erleichtern, bis Freitag, 26.06.2026 galt der Fahrplan der sog. Zwischensaison, ab dem Wochenende war dann Hauptsaison (27.06. bis 14.09.2026), an dem die erste Fahrt eine weitere halbe Stunde früher und die letzte Fahrt eine halbe Stunde später stattfindet. In der Hauptsaison stehen also um St. Bartholomä etwa neun Stunden und um Salet am Obersee etwa 8,5 Stunden für einen (touristischen) Tagesausflug zur Verfügung - eine extra "Bergsteiger-Verbindung" gibt es nicht und um diese Zeiten auszudehnen, sind entsprechende Übernachtungen an den umliegenden Hütten einzuplanen: Westlich des Königssees sind dies "naheliegend" die Kühroint (Rad-Auffahrt möglich) und etwas weiter entfernt Kärlingerhaus und Wimbachgrieshütte, ostseitig vom  Königs- und Obersee müßten Gotzenalm (Rad-Auffahrt möglich) oder Wasseralm angesteuert werden.

(Fortsetzung folgt...)
Titel: 25.06.26: Alter Holzknechte-Steig über dem Königssee (Burgstall)
Beitrag von: geroldh am 09.07.2026, 21:30
#foto2# Einen Text hab' ich, aber (dokumentierende) Fotos muß ich (irgendwann?) nachträglich noch "einkleben"...

Am ersten Tag mit der Anfahrt setze ich von der Seelände mit dem Boot nach St. Bartholomä auf die Halbinsel Hirschau (610 m) über, um "Abzukürzen". Gleich beim Schiffsanleger gibt es neben der Toilette auch einen Trinkwasser-Brunnen zum Befüllen der Flaschen. Dem Touristentrubel um Gasthaus/Biergarten und Wallfahrtskirche herum entkomme ich unmittelbar auf dem Wanderweg am Westufer vom Königssee entlang in Richtung des südlich gelegenen Schrainbach-Wasserfalls. Doch noch weit davor, kurz nachdem der Wanderpfad einen ersten kleinen Z-Verlauf macht, ist Aufmerksamkeit für das Gelände gefragt, denn dort soll nach historischer Karte (zuletzt 1966 verzeichnet) ein alter Holzknechte-Steig hinauf führen. Ausgestattet mit jahrzehntelanger Übung im alpinen Steilgelände sehe ich mich imstande, diesen zu erforschen.

Im Gelände ist mit geübtem Blick eine schräge "Abflachung" zu erahnen, die durch einen querliegenden, vor sich hin rottenden Baumstamm "blockiert" ist. Ich steige darüber und meine danach noch den Links-Knick - wie in der Zeitreise-Karte abgebildet - erkennen zu können. Üblicherweise übernimmt das Wild alte aufgelassene Pfade - und hält sie so weiter "am Leben". Doch hier "verschwimmt" die Spur, denn die Gämsen laufen dort eher kreuz-und-quer (ob der Steig ursprünglich einen engen Zick-Zack-Verlauf hatte, um die Steilheit etwas heraus zu nehmen?), aber zur Orientierung dient mir eine schräg nach oben ziehende kleine Felswand, die das Gelände nach rechts-oben hin begrenzt. Diese bildet eine sichtbare Referenz, dort in südwestlicher Richtung weiter "wild" AUF den Gams-Spuren aufzusteigen.

Das Gelände ist dort definitiv nichts für normale Bergwanderer, die im T3-Gelände meist an ihre pers. Grenze gelangen. Mit T4-T5 werden in einem steilen, eher rutschigen Gelände häufig auch die Hände benötigt. Links-unten bildet sich mit der Zeit visuell eine steilere Flanke heraus, so dass der Aufstieg etwas wie auf einer Rampe wirkt. Dadurch dass direkt darunter der Wanderweg verläuft ist gekonntes, sauberes Steigen angebracht, um keinen Stein nach unten zu befördern, das Gelände ist jedoch ohnehin eher botanisch-erdig.
Wenn gefühlt diese "Gelände-Rampe" enger wird, orientiere ich mich näher an die rechts hinaufziehende Felswand heran (ca. 800 m). Es wird somit auch die Aufstiegsroute felsiger und steiler - und tatsächlich, ein kleines Stück einer gerissenen Seilsicherung und ein Eisenstift können hier die Originalroute bestätigen. Nach erklimmen dieser kleinen Schlüsselstelle (T5) bleibt es dennoch steil und wird auch wieder erdiger. Das Gelände gibt die Möglichkeit einigermaßen vor, um weiter hinauf zu steigen. Sollte es hier je mal eine bessere Steigspur gegeben haben, so braucht mensch heute einiges an Phantasie, um diese im Gelände zu erahnen.

Rechts ist immer noch die kleine Felswand nach oben, links scheint es in Sichtweite ebenso steil nach unten zu gehen - und an einer schrägen, erdigen Fläche angekommen (ca. 850 m), auf der ein großer Baum(Stamm) querliegt, scheint diese wie eine Sackgasse zu wirken, denn nach vorne wird es bald senkrecht zum Schrainbach hin abbrechen.
Zugegebenermaßen verspüre ich leichte Unsicherheit, denn langsam würde mir durch die überwundene Höhe der "kontrollierte" Rückzug auch anspruchsvoll. Einen Versuch nach vorne wagend, steige ich vorsichtig zu einer scheinbaren Schwachstelle des Geländes hin, eher um dort mal "nachzusehen" - und mit etwas Überraschung ist dort ein ausgesetztes, felsiges Band zu erkennen, dass bald darauf mit einem Rechts-Knick neben gehauenen Stufen noch ein altes Stahlseil als "Geländer" hinzu bekommt. Genau darüber ist eine kleine Höhle, durch die ich zur Erkundung gebückt hindurch steige, darin zeigt ein Steinmann an, dass dort neben Gämsen auch mal ein Zweibeiner vorbei gekommen ist.

Nach diesem kurzen "versicherten" Felsstück zeigt die Spur in der historischen Karte einen Links-Knick an, der senkrechte Baumbewuchs wird wieder dichter und höher, auch liegende Baumstämme sind zu übersteigen. Ich schaue zurück und denke mir, aktuell würde von oben kommend, das Auffinden des Einstiegs wie "ein Sechster im Lotto" sein ("große Lärche") - also Hund war'n des scho', die früheren Burschen! Da nun das sich nach hinten neigende Gelände zurückmeldet, dass nun der Steilanteil geschafft ist, mache ich mit Blick über Salet hinweg auf den Obersee erst mal ausgiebige Pause, schließlich wirkt die Wärme des Tages auch im Halbschatten.

Kurz nehme ich noch die Hände zu Hilfe, dann scheint es so, als ob im Gelände ein alter, etwa ein Meter breiter "Weg", der Höhenlinie (ca. 930 m) folgend, beginnt. Ja, genau, es ist eindeutig, hier wurde früher ein schmaler Weg mit kleinen Steinmauern angelegt. Nach nur 100 Metern endet er aber genau so überraschend, wie er begonnen hat, doch Stoamandl zeigen an, dass es dort, wie zuletzt 1936 in der Karte dargestellt, einen Steigverlauf nach oben gegeben haben könnte. Nach einigen Höhenmetern breche ich ab, denn es ist fortgeschrittener Nachmittag und ich muß mich sicherheitshalber erst mal an den kontrollierten Abstieg in Richtung der früheren Brücke und Klause am Schrainbach kümmern: Stoamandl passen einigermaßen mit dem (historisch) kartenverzeichneten Steigverlauf zusammen, dennoch ist etwas Suchen erforderlich, um etwa auf 840 m an den Wanderweg entlang des Schrainbachs (erstes Trinkwasser auf dieser Tour) zu gelangen.
Von dort ist der Abstieg am Einstieg vorbei an den Königssee reine Formsache, natürlich muss ein kurzes Erfrischen in dem mit etwa 22°C zu warm geratenen Wasser drin sein, dann geht es zurück nach St. Bartholomä.

Fazit:
Die Existenz dieses früheren Holzknechte-Steigs (mind. T4), möglicherweise bereits vor einigen Jahrhunderten angelegt (erster Trockener Holzsturz am Burgstall wohl 1810*) und der nach dem letzten "Trockenen Holzsturz" im Jahr 1938 (*gem. S.77 fb_38.pdf) nicht weiter benötigt wurde, kann bestätigt werden. Er wurde einst angelegt, um sich den Umweg am Schrainbach-Wasserfall vorbei zu ersparen. Auch dort gab es zur Holz-Trift ("Nasser Holzfall") einen einfachen, eher steilen Holzknechte-Steig, doch der Ausbau zum heute benutzten Steigverlauf erfolgte erst sehr viel später.
Da dieser Holzknechte-Steig zu keinem "sinnvollen" (touristischen) Ziel führt und auch äußerst anspruchsvoll in seiner Begehung und Unterhaltung bliebe, ist sein zunehmender Verfall nachvollziehbar. Nur sehr wenige Bergler haben heute das Können und das Interesse solche alten Steige "auszugraben"...
Titel: 26.06.26: Alter Holzknechte-Steig über dem Eisbach (Burgstallstein)
Beitrag von: geroldh am 09.07.2026, 21:32
#foto2# Einen Text hab' ich, aber (dokumentierende) Fotos muß ich (irgendwann?) nachträglich noch "einkleben"...

Am nächsten Tag bin ich zum ersten Boot mit einigen festlich gekleideten Personen auf der Halbinsel St. Bartholomä unterwegs, diesmal den breiten Hauptweg in Richtung zur früheren Eiskapelle. Auf meine Nachfrage hin erfahre ich, dass für eine Vormittags-Messe in der nahen Waldkapelle St. Johann und Paul aufgrund des anstehenden Heimatfestes Peter und Paul vorbereitet wird.
An diesem Tag beabsichtige ich einen weiteren alten Holzknechte-Steig zu suchen, der etwa von dort nach historischer Karte (zuletzt 1966 verzeichnet) den Burgstall(stein) hinauf führen soll.

Meine Suche nach Anhaltspunkten starte ich gleich oberhalb des südlichen Ufers vom Eisbach, der dort bewaldet und mit einigen großen Brocken eines frühzeitlichen Felssturzes durchsetzt ist. Die Proportionen auf der Karte mit der Begebenheit in der Natur abschätzend, macht es aus meiner Erfahrung heraus am meisten Sinn, auf einem leichten Geländerücken aufzusteigen und dann nach links/südlich, weiter leicht ansteigend, dem Ansatz einer Pfadspur zu folgen. Solange keine großen Bäume darüber liegen, wird ein aufgegebener Pfad gerne vom Wild weiter benutzt.

Die Richtung passt gut mit der Kartendarstellung überein und am Beginn eines steileren Aufschwungs wird auch die Spur steiler, weist mit Phantasie noch leichte Zick-Zack-Kehren auf. Mit zunehmender Höhe wird dieser Aufschwung grasiger und schmaler, und genau dort (ca. 740 m) hat sich tatsächlich noch ein Steig (T3) so sichtbar erhalten, als wäre er erst am Vortag häufig begangen worden. Gleich darüber mit etwas Aussicht nach St. Bartholomä grüßt mich ein Steinmann und gibt mir die Rückmeldung, hier auf der richtigen Spur zu sein.

Sowohl bei der Betrachtung des Kartenmaterials, als auch der Bergflanke vom entfernten Schiffsanleger, ist zwischen einer Felswand mit Graben, dem Burgstall-Graben, und einem gegenüberliegendem Abbruch eine ziemlich steile, bewaldete Rampe auszumachen (vgl. auch S.10 fb_38.pdf), an deren unterem Ende ich mich nun befinde und die logischerweise den Raum für eine (enge) Steigführung beinhaltet. Doch durch die Steilheit des Geländes ist im Laufe der vielen Jahrzehnte, die dieser Holzknechte-Steig nicht mehr benötigt und zu wenig begangen wurde, mit Erde, Laub und Steinen zu gerutscht. Hinzukommende Wildwechsel geben mir zusätzliche Interpretationsmöglichkeiten und ich versuche geländeangepasst eher einen direkteren und steileren Aufstieg.

Doch dieser führt mich an einen kleinen Felsriegel heran, der an den botanischen Stellen wohl von den Gämsen überwunden wird. Ich möchte dort - alleine unterwegs mit mehr erforderlicher Sicherheitsreserve - ohne Anhaltspunkte auf die richtige Route nicht hochsteigen, da dann der spätere Rückzug entsprechend heikel werden dürfte. Einen Versuch, in Richtung Graben auszuweichen breche ich durch das abschüssige Gelände ab, es ist unangenehm warm, und so habe ich wohl nicht den üblichen Enthusiasmus. Wieder zuhause werde ich später in einem Touren-Bericht vom Sommer 2018 den Hinweis finden, dass "der Steig auch mal in den (Burgstall-)Graben hinein führt, ohne aber diesen zu durchqueren"...

Relativ schnell bin ich wieder unten am Eisbach und suche mir eine etwas tiefere Stelle, um mich darin hinein zu legen. Dann bleibt mir noch Zeit übrig, neben der Kapelle St. Johann und Paul einen alten Pfadverlauf zu erkunden, der "ganz früher" als Alternative neben dem Eisbach zur Eiskapelle bzw. der Ostwand hinauf geführt hatte (immerhin bis 1984 verzeichnet). Dieser wurde vor Jahren noch mal ausgeschnitten, doch dann ist eine Stelle erreicht, an dem der Bach die Böschung weggerissen hat. Von einem Abzweig kann noch das gemauerte Fundament einer früheren Brücke gefunden werden (sogar vor 10 Jahren noch einsam verzeichnet), doch auch dieser Waldpfad scheint heute aufgelassen zu sein...

Fazit:
Die Existenz dieses früheren Holzknechte-Steigs (mind. T4, wahrscheinlich oben hinaus T5), möglicherweise vor einigen Jahrhunderten angelegt und der nach dem letzten "Trockenen Holzsturz" im Jahr 1938 nicht weiter benötigt wurde, kann grundsätzlich bestätigt werden. Er wurde einst angelegt, um direkt von St. Bartholomä in das obere Holzeinschlag-Gebiet am Burgstall(stein) zu gelangen.
Da auch dieser Holzknechte-Steig zu keinem "sinnvollen" (touristischen) Gipfel-Ziel führt und auch äußerst anspruchsvoll in seiner Begehung und Unterhaltung bliebe, ist sein zunehmender Verfall nachvollziehbar. Nur sehr wenige Bergler haben heute das Können und das Interesse solche alten Steige "auszugraben" - und vielleicht gelüstet es mich irgendwann noch mal nach der oberen Fortsetzung...
Titel: 27.06.26: Historischer Perl-Steig durch die Walchhütten-Wand
Beitrag von: geroldh am 09.07.2026, 21:33
Am Folgetag, dem Samstag, gilt erstmals der Hauptsaison-Fahrplan der Königssee-Schifffahrt, an dem bereits um 8 Uhr das erste Boot nach Salet am Obersee fährt. Eine passende Gelegenheit also, eine noch "offene Rechnung" anzugehen und dort hinten den Perl-Steig ganz NaturNah (mit Beschreibung der aktuellen Verhältnisse) (https://www.roberge.de/index.php?msg=80798) aufzusuchen.
Titel: 28.06.26: Alter Holzknechte-Steig über'm Schrainbach (Burgstall-Steig)
Beitrag von: geroldh am 09.07.2026, 21:36
#foto2# Einen Text hab' ich, aber (dokumentierende) Fotos muß ich (irgendwann?) nachträglich noch "einkleben"...

Mit einem noch heißeren Sonntag geht es in das Hitzefinale. Da mich mitunter die Touren der vorherigen Tage etwas ausgelaugt haben, möchte ich es am letzten Tag nun entspannter angehen lassen und im Wesentlichen die "Abwurfstelle" des früheren "Trockenen Holzsturzes" aufsuchen, der bis 1936 in amtlichen Karten oberhalb des Königssees zu lesen war und nach dem letzten Ereignis im Jahr 1938 (gem. S.77 fb_38.pdf) darin "getilgt" wurde.

Doch gleich am Morgen mache ich noch einen schnellen Abstecher nach Gegenüber, um den vergitterten Eingang der Salzgrabenhöhle aufzusuchen - auch dieser "Steig" (erst ab 1992 verzeichnet) hat mir in der "Sammlung" noch gefehlt. Das Höhlenportal (960 m) ist relativ groß und war damals, also (erst?) im Jahr 1959, als zwei "Botaniker" dort auf der Suche nach Blümchen waren, nicht zu übersehen. Der am Gitter ausströmende und auch hörbare Luftstrom hat etwa 3-4°C, welch ein Kontrast zur allgemeinen Außentemperatur, die im (trockenen) Wald am Nachmittag auf rund 1000 m Höhe etwa 32°C erreichen wird.

Anschließend, wieder zurück am Wanderweg, beginnt mein eigentlicher Aufstieg mit der Überquerung des Schrainbachs (etwa auf 840 m), der mir zugleich das nötige Trinkwasser für den Tag anbietet. Die mir vom Abstieg am ersten Tag bekannte Route ist schnell gefunden, sofern sie nicht bereits diesen oder einen anderen Namen hat, wäre im unteren Teil "Burgstall-Steig" eigentlich passend, dieser ist heute noch gut begehbar (überwiegend T3, Stellen T4), wenn auch ohne Markierungen und ohne besonderes (Gipfel)Ziel.

Gemäß der alten Kartendarstellung gab es dort früher eine (Holz)Brücke, von der natürlich heute nichts mehr vorzufinden ist. Gleich hinter dem Bach zeigt im Gelände ein Steigansatz nach rechts/östlich, dass dieser wohl ursprünglich am Fuß der botanischen schrägen Felswand vorbei geführt hat, eine spätere Lawine hat dort aber offenbar die vorhandenen Bäume mikadomäßig in den Bach "gespült", der Lichteinfall sorgt nun für eine üppige Grünfläche mit Brennnesseln... Dadurch wird etwas angestiegen und dieser felsige Bereich an passender Stelle gequert.

Unter hohen Bäumen führt nun eine NICHT markierte Spur, hin und wieder sind dort wohl einzelne Bergler unterwegs, anfangs leicht ansteigend, später etwas steiler an felsigen Bereichen vorbei zum westlichen Ende des kleinen aufgemauerten und waagrecht verlaufenden Wegabschnitts hinauf (ca. 930 m). Wozu dieser einst wohl angelegt wurde? Möglicherweise um darauf geschlagene Baumstämme mit einem Pferd/Muli leichter bewegen (d.h. rücken) zu können, eine weitere Verlängerung hatte dann jedoch nicht mehr stattgefunden.

In der Kartendarstellung bis zum Jahr 1936 hat dieser Zustiegs-Steig weiter nach oben noch eine gepunktete Fortsetzung, die sich im welligen Gelände unter dem hohen (Buchen-)Baumbestand mit Gespür anfangs noch erahnen läßt, dann aber mit dem vielen Laub verschwindet. Nun steige ich eher geradlinig die Bergflanke hinauf, gemäß der Karte soll im mittleren Bereich ein noch heute sichtbarer Waldweg verlaufen (eine lange, kurz unterbrochene Linie) und einen markanten Anhaltspunkt bieten.

So ist es, eine noch erhaltene (Natur)Steinmauer "bremst" mich (ca. 1040 m), darauf wie vermutet ein noch gut erhaltener, knapp zwei Meter breiter Weg, den ich zuerst in westlicher Richtung leicht ansteigend zur lange verfallenen Burgstallalm hin erkunde. Kaum zu glauben, dass es dort mal ein Almgebiet gegeben haben soll - bereits in der Karte von 1900 mit dem Attribut "verfallen" markiert, ist es heute ein Bergwald.
Unterhalb eines "Omega-Verlaufs" dieses historische Waldwegs soll es einst eine Holzknechts-Hütte (Holzstube) gegeben haben, doch unter einem großen Stein ließe sich der Grundriss nur aufgrund einiger Fundament-Steine noch erahnen.

Entlang der Höhenlinie verfolge ich diesen Weg nun nach Osten, bis er kurz vor einer schrägen Fläche zur Bergkante hin endet - die historische Stelle des "Trockenen Holzsturzes" ist erreicht (1025 m). Die Bergkante, sie dürfte in der "aktiven Zeit" sicher ziemlich vegetationsfrei gewesen sein, ist heute wieder gut zugewachsen - in der Nähe finde ich nur eine Stelle, die mir einen freien Blick auf St. Bartholomä bietet, so wie es ein historisches Foto aus dem Jahr 1934 zeigt (vgl. S.4 im PDF "Die Holzfälle am Königssee" oder S.15 im PDF vom o.g. "Forschungsbericht (Band 38)").

Bei genauerer Betrachtung könnten es derer drei versetzte von diesen geneigten Flächen gewesen sein, gemäß der DGM-Darstellung dürfte die südliche Fläche damals zum Zweck des Holzsturzes wohl aus dem Gelände heraus präpariert worden sein. Interessant: Bei dieser untersten Fläche fällt mir ein bereits stark verrotteter Baumstamm auf, der genau senkrecht zur Hangkante hin liegt, parallel dazu noch ein "kürzerer" im selben biologischem Zustand. Dies waren einst sicher die Stämme, die dem Holzstoß zur seitlichen Ausnivellierung untergelegt wurden. Unweit davon ragt auch noch ein altes Stahlseil aus dem Boden heraus, die Schlaufe wurde mit zweimal Wickeldraht fixiert.

Anschließend erforsche ich noch etwas das darüber liegende Gelände, auch dort sind Wegansätze noch zu erkennen, aber kaum Baumstümpfe, sondern nur (fast) ausgewachsene Bäume - der letzte Holzeinschlag ist immerhin bereits 88 Jahre her...
Nun fehlt mir die Perspektive auf eine weitere Entdeckungsmöglichkeit, die Wärme trägt sicher auch ihr übriges bei, ich steige "owi wia aufi" ab und gehe mit dem Erreichen der Halbinsel nahe dem Wanderweg in den Königssee zum Erfrischen. Unweit davon fällt mir eine getarnte "Kamera" auf, die laut Nationalpark wohl via Infrarot auf dem Trampelpfad vorbeigehende Personen zählt.

Das letzte Boot des Tages muß ich heute nicht ausreizen, denn mit aufziehenden dunklen Wolken werde ich noch die Heimfahrt antreten.

Fazit:
Für an der Geschichte interessierte Bergler kann sich der Abstecher zur "Abwurfstelle" des ehemaligen "Trockenen Holzsturzes" (vmtl. 24 mal im Zeitraum 1810 - 1938) "lohnen". Knapp südlich davon läßt sich zwischen Bäumen hindurch noch eine ungewohnter Blick auf St. Bartholomä erhaschen, ansonsten ist es dort wenig "spektakulär" und es hat (wohl) kein weiteres (Gipfel)Ziel.
Vielleicht läßt sich darüber noch der felsige Zapfen, "Burgstallstein" (1260 m) (https://atlas.bayern.de/?c=797672,5272022&z=16&r=0&l=tk,zeitreihe_tk&l_t=,1966&l_sa=l,r&t=ba&tid=compare&mid=1&sr=0.57) erkraxeln, dies würde ich das nächste Mal selbst noch ausprobieren.
Da diese Flanke vollständig mit Wald bewachsen ist, dürfte aus Naturschutzsicht kaum etwas dagegen sprechen.