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Das roBerge-Forum => Alle roBerge-Boards => Bergtouren => Thema gestartet von: Bernhard G. am 07.09.2015, 10:44
Nachdem das Wetter wieder auf Normalmodus umgeschaltet hat, ist es erst mal vorbei mit Blauer-Himmel-Touren. Da packt man halt wieder seine Hausrunden aus! Das Wetter war mir zum Radln zu schlecht, also bin ich am Nachmittag zur einer kleinen Bergtour aufgebrochen. Die Runde Aiplspitz - Benzingspitze - Jägerkamp mache ich gerne und fast jedes Jahr mindestens einmal.
Gestartet bin ich im Josefstal. Da steht erst mal ein längerer Flachhatscher bis Aurach an. Den lege ich lieber an den Anfang der Tour, wo die Füße noch nicht brennen. Wie beim gesamten Aufstieg war leider der Regen mein treuer Begleiter. Ok, Bilderbuchwetter ist auf die Dauer auch nix und grade die niederem Berge haben auch bei Regen ihrem Reiz (Bild 01).
Ordentlich frisch war, schon im Tal hatte es nur 7°! Der Wald spendete mir beim Aufstieg zum Nordgrat vor Wind und Regen wechselnden Schutz, manchmal gabs aber geballte Duschen und vorallem die Latschen bescherten mir beim Durchschlüpfen eine Wasserschlacht. Die Wolkenverteilung war lokal stark unterschiedlich: Während der Geitauer Kessel eine einzige Nebelsuppe, war im Auracher Kessel der Blick auf den Aiplspitz mit seinem felsigen Nordgrat meist frei (Bild 02). Beim Gehen hieß es aufpassen, Wurzen und Baatz gaben tückische Rutschbahnen ab.
Das Sahnestück der Tour, den Nordgrat (Bild 03) konnte ich diesmal nur eingeschränkt genießen, es war reichlich ungemütlich. Der nasse Fels wars nicht, aber ein eisiger Wind und Schneeregen sind keine angenehmen Begleiter. Mütze und Handschuhe auspacken oder nicht? Ich hab die Zähne zusammengebissen und mich erst am Gipfel wetterfest eingekleidet. Wie man sieht, hatte es da wohl vor kurzem mehr geschneit (Bild 04).
Lang hats mich nicht am Gipfel gehalten, der Blick auf die Uhr (scho viere!!) mahnte zur Eile. Also machte ich mich auf zur normalerweise aussichtsreichen Gratwanderung zum Jägerkamp. Und das war der schwierigste Teil. Viel muß ich dazu nicht sagen, glaub ich. Jeder, der die Tour kennt, weiß um die Schmierseifenwege, die es da bei Nässe zu meistern gilt - so manches Mal rettete mich nur ein haltgebendes Grasbüschel vor dem Schlammbad. Leichter wäre es natürlich weglos gegangen, aber ich wollte auf von den Kühen schon arg ramponierten Hang nicht weiteren Schaden anrichten.
Das Gipfelkreuz der Jägerkamps (Bild 05) ist fast nagelneu, es wurde vor einem Jahr aufgestellt. Dennoch hat das Holz bereits eine deutliche Patina entwickelt - die exponierte Lage hinterläßt ihre Spuren. Zum Vergleich das Gipfelkreuz 2014 (Bild 06).
Im flachen Land hatten sich inzwischen deutlich freundlichere Wetterverhältnisse eingestellt (Bild 07). Vorbei an der Jägerbauernalm hab ich mich dann zu diesen Gefilden aufgemacht. Viel gibt es dazu nicht zu berichten, man steckt ja meist im Wald und nur manchmal eröffnet sich der Blick auf den Schliersee (Bild 08).
Die Zivilisation begrüßte mich dann in Form der Spitzingseestraße standesgemäß: mit viel Gezische und Dampf war eine Staßenreinungsmaschine gerade dabei, eine Ölspur zu beseitigen. Ende der Einsamkeit und Ruhe.