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#61
#hallo# Servus Bergler,
vielen Dank für deine weiteren Ergänzungen (inkl. Routen-Analyse) - und auch das darin enthaltene Lob. :)

In der Tat hatte ich mich bisher nur auf die "Zeitreise-Karten" im BayernAtlas fokussiert, in der Annahme, dort über die verg. Jahrzehnte die beste Information heraus zu lesen - die Ebene "Historische Karte" hatte ich, sofern anderswo im Gebirg' angeklickt, lediglich als eine (skizzierte) "Vorstufe" betrachtet.

Zitat des PopUp-Fensters zur Historische Karte:
ZitatDie Historische Karte zeigt die Positionsblätter im Maßstab 1 : 25 000, die in den Jahren um 1860 entstanden sind. In den hohen Zoomstufen wurde die Uraufnahme aus den Jahren 1808 – 1864 hinterlegt.
Weitere Informationen zu Historischen Karten sind im Internetauftritt des LDBV zu finden.
Legende: Uraufnahme

In der Tat ist darin der Perl-Steig durchgehend skizziert (als "Wellenlinie") - und nun (auch) für mich leicht zu erkennen, dass dieser an besagter Stelle - meine Annahme "trichterförmige Sackgasse" - markant nach Ost ausholt, um das botanisch-felsige Band zu umgehen und die nächste "Ebene" mit dem "Brunnen" zu erreichen.
Da der Verlauf offenbar in das felsige Steilgelände der Walchhütten-Wand hinein führt, könnte dies möglicherweise die frühere (und auch aktuelle) "Schlüsselstelle" der Route sein. Vielleicht wurden dort ähnliche "Sicherungsseile und -stifte" angebracht, wie beim anderen Holzknechte-Steig vorgefunden.

Hinweis:
Die von mir bezeichnete "Rote Wand" - auch (relativ klein) von der Fischunkel-Alm zu erkennen, befindet sich ca. 150 m westlich vom "Brunnen" (Br.) - und rechts-oberhalb(!) vom "Ausstiegs-Graben" - und setzt sich dann als Felswand bis unter das Hals-Köpfl fort. Neben dem Original-Verlauf (noch zu erkunden) scheint dieser anspruchsvolle und wilde Aufstieg die "einzige" gute Möglichkeit zu sein (zweimal intuitiv gefunden), das Gelände nach oben hin zu verlassen.

Somit sollte für mich bei Gelegenheit einem dritten, dann ggfs. erfolgreichen Durchstieg auf der Original-Route, nichts entgegen stehen... ;)

PS: Das "Feuer wurde neu entfacht"... und das derzeit stabile Wetter gilt es zu nutzen...
Werde nun schnell den Rucksack packen und noch heute Nachmittag zum Königssee fahren... #bisbald#

PPS: 25.-28.06.26: Berchtesg. Alpen: NaturNah über'm Königssee (Burgstall)
#62
Servus geroldh,

zuerst einmal ein ganz herzliches Dankeschön für dein ausführliches Update vom 30.06.! Für einen so ehrlichen, detailreichen Bericht mit allen Sackgassen und Zweifeln bin ich dir wirklich sehr dankbar – das ist für alle, die diesen historischen Steig auch noch gehen wollen, reines Gold. Ich interessiere mich schon länger für diesen Steig und wollte nach deinem Update meinen eigenen kleinen Beitrag zur Diskussion leisten – nicht aus eigener Begehung, sondern aus etwas Kartenrecherche, die vielleicht für den nächsten Anlauf hilfreich sein könnte.


Was ich gemacht habe
Ich habe mir die Ebene ,,Historische Karte" im BayernAtlas angeschaut (ausdrücklich nicht die ,,Zeitreise"-Karten – das ist dort eine andere, separate Kartenserie) und den dort verzeichneten Perlsteig-Verlauf digital nachgezeichnet: vom Uferweg (Nr. 424) am Obersee (ca. 575–630 m) bis zur Walchhütte auf 1507 m. Die Linie ist dort komplett durchgängig eingetragen, was mich überrascht hat – in deinem allerersten Post dieses Threads hattest du ja erwähnt, dass die gepunktete Linie im Hang irgendwann aufhört. Vielleicht war damit eine andere Kartenserie/-epoche gemeint, oder die ,,Historische Karte"-Ebene zeigt schlicht eine andere (frühere?) Aufnahme als die, die du damals eingesehen hattest.

Der Kartenverlauf im Detail – und der Abgleich mit deinem Bericht
Ich habe die eingezeichnete Linie mit deinen Höhen- und Geländeangaben aus dem Update verglichen, und einiges passt erstaunlich gut zusammen:
  • 575–800 m: Abzweig vom Uferweg, entspricht ungefähr deinem beschriebenen Einstiegsbereich beim ,,Zustiegswäldchen".
  • 875–1090 m: Hier zeigt die historische Linie ein auffällig enges, sehr regelmäßiges Zickzack mit vielen kurzen Kehren. Das deckt sich fast wörtlich mit deiner Beschreibung, wonach der Steig ab ca. 800 m Schwindelfreiheit fordert und ,,geschickt natürliche, schmale Geländekanten" mit ,,kleinen, geschlagenen Stufen" im Zickzack nutzt. Das ist für mich die verlässlichste Übereinstimmung der ganzen Route.
  • 1090–1150 m: Ab hier wird das Zickzack in der Karte spürbar lockerer und weiträumiger – ein deutlicher Stilwechsel. Das könnte in etwa der Bereich sein, in dem du den Verhauer bei ,,ca. 1000 m" beschreibst (die falsche, gut sichtbare Spur Richtung Grünfläche, mit dem unscheinbaren Links-Knick als richtigem Weg). Die Höhen passen nicht exakt, liegen aber nah beieinander – ganz sicher bin ich mir hier nicht.
  • 1147–1345 m: In diesem Abschnitt zeigt die Karte mehrere scharfe, unregelmäßige Richtungswechsel – ungewöhnlich im Vergleich zum sonstigen Zickzack-Muster. Das passt gut zu deiner beschriebenen ,,Ratlosigkeit" im oberen zweiten Drittel (~1300 m) und zum anschließenden grünen Felsband.
  • ~1507 m: Die Linie endet an der Walchhütte. Das liegt sehr nah an deiner beschriebenen ,,roten Wand" bei ca. 1500 m, unter der du standest, bevor du dich für den Weg über den Graben Richtung Rotofen entschieden hast.
Die für mich spannendste Erkenntnis
Die historische Karte bestätigt offenbar genau das, was du nur vermutet hattest: dass die Original-Route über die (heute verfallene) Walchalm bzw. Walchhütte verläuft. Diesen letzten Abschnitt bist du bei deinem zweiten Versuch aber nachweislich nicht gegangen – du bist bei der roten Wand nach rechts in einen Graben ausgewichen und dann streng südwärts auf die Geländeschulter ,,Rotofen" (~1610 m), wo du auf den markierten Wandersteig getroffen bist, ohne über die Walchhütte zu kommen.
Interessant finde ich, dass in deinem Fazit ja selbst schon eine gewisse Reue mitschwingt (,,vielleicht doch links-oben weiterprobieren, nach einem Schlupf im Gelände suchen") – das liest sich für mich fast wie ein Eingeständnis, dass die Rechts-Entscheidung am grünen Felsband die eigentliche Weichenstellung war, an der man von der historischen Linie abgekommen ist. Falls diese Einschätzung stimmt, läge die entscheidende Stelle irgendwo zwischen ca. 1300 und 1450 m, kurz bevor die alte Linie die Walchhütte erreicht.
Ein Detail dazu, das mich zusätzlich neugierig macht: Du hattest im Fazit ja selbst vermutet, dass es dort oben vielleicht einen ,,Schlupf" im Gelände geben könnte. Wenn ich mir die Reliefdarstellung im BayernAtlas an genau dieser Stelle anschaue, verdichtet sich bei mir der Eindruck, dass dort tatsächlich ein schmaler Durchgang existieren könnte – das würde sehr gut zu deiner Vermutung passen und wäre für einen dritten Versuch vielleicht der entscheidende Ansatzpunkt.

Meine Fragen an dich (und alle anderen hier)
  • Du hattest im PS deines Updates angedeutet, in den nächsten Tagen noch ein paar Fotos nachzureichen – so wie ich das lese, ging es dabei eher um den Burgstallsteig bzw. Holzknechtsteig. Falls dabei zufällig auch Aufnahmen vom Perlsteig selbst dabei sind, wäre ich für jeden Abschnitt dankbar: vom Einstiegsbereich, von der Verhauer-Stelle (~1000 m) und vom grünen Felsband (~1300–1450 m). Und auch an alle anderen hier: Hat sonst noch jemand GPS-Daten, Wegpunkte oder Fotos von irgendeinem Abschnitt dieser Route?
  • Kennt jemand den letzten Abschnitt zur Walchhütte (ca. 1450–1507 m) aus eigener Anschauung? Das wäre der einzige Teil der historischen Linie, zu dem es bislang gar keine aktuelle Rückmeldung gibt – niemand im Thread scheint ihn bisher begangen zu haben.
Falls gewünscht, stelle ich gerne meine beiden Kartenausschnitte hier ein – wollte den Beitrag aber nicht unnötig aufblähen, ohne zu wissen, ob das für euch überhaupt hilfreich ist.
Ganz herzlichen Dank auch nochmal für die gesamte Mühe, die du dir mit diesem und den früheren Berichten gemacht hast – ich weiß das wirklich sehr zu schätzen! Am Rande hast du ja am Ende deines Updates auch noch den Burgstallsteig sowie den (gleich doppelten) Holzknechtsteig erwähnt. Falls du dazu irgendwann mehr schreibst oder schon etwas dazu vorliegen hast – das würde mich ebenfalls sehr interessieren, das klingt nach weiteren spannenden vergessenen Wegen in der Gegend!

Beste Grüße und weiterhin viel Erfolg bei der Spurensuche! 
#63
Forum intern / Aktuelle Wegsperren
kovalam - 11.07.2026, 18:24
Servus nochmal.
Am Samerberg ist die Bruchfeldstrasse zum Waldparkplatz wegen Teerarbeiten bis Sonntag 19.07. gesperrt.
Ciao!
Harald

IMG_4506.jpeg
#64
Forum intern / Aktuelle Wegsperren
kovalam - 11.07.2026, 18:22
Servus!
Forststrasse von Trockenbachtal zum Spitzsteinhaus ist im oberen Teil wieder gesperrt. Laut Taferl bis 06.10.26. Dieses steht erst 50m vor der Baustelle. Baumstämme liegen gestapelt quer über der Straße.
Ciao!
Harald
#65
Wer war wo / Zwei Tage am Similaun
Reinhard - 11.07.2026, 17:07
Tag 2:

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Ötzi-Stele. Die anspruchsvolle Überschreitung des Jochkopf-Kammes erwies sich als abwechslungsreich und weist teilweise klettersteigähnlichen Charakter auf.

Nach etwa zwei Stunden erreichten wir das Tisenjoch mit der Ötzi-Stele. Von hier eröffnet sich auch ein eindrucksvoller Blick hinunter zum Vernagtsee. Vermutlich lässt sich die Stele sogar vom See aus erkennen. Der eigentliche Fundort des Mannes aus dem Eis befindet sich etwa 70 Meter nordöstlich der Stele.

Auf die ursprünglich geplante Besteigung der Fineilspitze (knapp 400 Höhenmeter) verzichteten wir aus Zeitgründen, schließlich wartete noch ein zusätzlicher Abstieg von rund 1.300 Höhenmetern auf uns. Für den Rückweg wählten wir den nordöstlichen Steig, der zunächst über ein Schneefeld und anschließend weitgehend flach zur Martin-Busch-Hütte hinabführt.

Dort ließen wir uns den wohlverdienten Kaiserschmarrn schmecken und genossen den herrlichen Blick auf den gegenüberliegenden Mutmalferner. Anschließend ging es über die letzten sieben Kilometer zurück nach Vent – für mich per E-Bike, während mein Begleiter den gesamten Rückweg weiterhin zu Fuß bewältigte.

Auch hier gibt es viel mehr Fotos und Einzelheiten auf Brombas Berge !


Kurzinfo:

Datum: 09.07.2026

Ziel: Ötzi-Fundstelle

Ausgangspunkt: Similaunhütte

Route: Similaunhütte - Jochkopfkamm - Fundstelle - Martin-Busch-Hütte - Vent

Wegbeschaffenheit: Kammüberschreitung anspruchsvoll, kurz bis T2/T3

Wetter: wolkenlos



Mitten in den Jochköfeln.jpg
Der Grat heißt meist ,,Jochköpfe" (Plural), auch "Jochköfel". Die einzelnen Gipfel werden als ,,Jochkofel" bezeichnet.


Ötzi-Fundstelle und Fineilspitze.jpg
Ötzi-Stele


Schneefeld unter dem Tisenjoch.jpg
Schneefeld unter dem Tisenjoch


Unterhalb des Tisenjoch.jpg
Von links: Mutmalspitze - Hintere Schwärze - Westliche Marzellspitze - Similaun


Mutmalferner.jpg
Mutmalferner
#66
Wer war wo / Zwei Tage am Similaun
Reinhard - 11.07.2026, 11:55
Diese Woche waren zwei roBergler – @Bergautist und ich – unterwegs, um uns ein Bild von der Similaunhütte und ihrer Umgebung zu machen.


Tag 1:

Der Aufstieg begann in Vent. Laut Beschilderung ca. 2,5 Stunden bis zur Martin-Busch-Hütte. Den teilweise recht holprigen Weg konnte ich mit dem E-Bike abkürzen, während mein Begleiter zu Fuß unterwegs war. Nach einer kurzen Stärkung ging es gemeinsam weiter in Richtung Similaunhütte. Der Weg verläuft überwiegend flach und dauert rund zwei Stunden. Die Abzweigung zur Ötzi-Fundstelle ließen wir rechts liegen, da der Abstecher erst für den nächsten Tag für den Abstieg vorgesehen war.

Weiter ging es an der neuen und später an der alten Schäferhütte vorbei. Sie dienten den Hirten jahrhundertelang als spartanische Unterkunft während des Sommers, bis 2011 weiter talabwärts die neue Almhütte errichtet wurde. Die Ritzungen am Gebäude , siehe Foto, sind quasi das historische ,,Gästebuch" der Hirten, die sich hier während der langen, einsamen Sommerwochen verewigten.

Mit zunehmender Höhe boten sich immer eindrucksvollere Ausblicke auf die umliegenden Gletscher. Kurz vor der Hütte musste auf knapp unter 3.000 Metern noch ein Schneefeld gequert werden, bis wir schließlich unser Tagesziel erreichten.

Die Similaunhütte liegt auf 3.019 Metern Höhe direkt an der Grenze zwischen dem österreichischen Tirol und dem italienischen Südtirol. Sie befindet sich in Privatbesitz, wird jedoch ähnlich wie eine Alpenvereinshütte geführt. Von der Hütte bietet sich ein herrlicher Blick auf den Similaun (3.597 m). Gleichzeitig kann man von hier aus auf die Südtiroler Seite (zum Vernagtsee) hinunterblicken.

Eine ausführliche Beschreibung mit weiteren Bildern unseres Aufstiegs findet sich auf der Seite von Bergautist.


Kurzinfo:

Datum: 08.07.2026

Ziel: Similaunhütte

Ausgangspunkt: Vent, Ötztal

Route: Vent - Martin-Busch-Hütte - Similaunhütte

Wegbeschaffenheit: meist holpriger Forstweg

Gefahrenpotential: ---

Wetter: bedeckt, später Nieselregen

Hütteninfo: Übernachtung: Martin-Busch-Hütte voll ausgebucht, Similaunhütte noch Plätze frei

insgesamt ca. 1100 Höhenmeter


Martin-Busch-Hütte.jpg
Martin-Busch-Hütte


Weg zur Simmilaun.jpg
Foto von der Abfahrt (Tag 2)


Similaunhütte noch weit entfernt.jpg
Die Similaunhütte ist noch weit, ca. 1,5 Std. entfernt


Alte Schäferhütte.jpg
Die alte Schäferhütte


Similaun.jpg
Der abendliche Similaun, von der Hütte aus gesehen.


(Tag 2 folgt)
#67
Unsere letzten beiden Wandertouren sind – im wahrsten Sinne des Wortes – geschmolzen. Statt Bergwandern gab's Gluthitze. Auch ich lag vor zwei Wochen hitzebedingt flach und diese Woche war ich nicht im Land, um eine Tour anzukündigen. Dazu kam, dass einige unserer Stamm-Wanderer orthopädisch außer Gefecht waren.
Die Wandergruppe hatte eine Flaute.

Die nächste Wanderung steht am 23.07.2026 an. Da einige von uns wie schon angedeutet nur radeln, aber nicht wandern können, schlage ich vor, diesmal eine Hütte als Ziel zu wählen, die man sowohl zu Fuß als auch per Bike erreichen kann. Oben treffen wir uns dann gemeinsam zu einer bestimmten Uhrzeit.
Vorschläge sind ab sofort willkommen – einfach hier im Thread antworten.

Ich selbst bin an diesem Tag schon wieder unterwegs und kann nicht teilnehmen. Und auch Bergautist hat sich schon offiziell abgemeldet. Aber an uns soll es nicht scheitern!

Wie immer handelt es sich nicht um eine roBerge-Veranstaltung, sondern um ein loses Treffen Interessierter!
Zur Haftungserklärung
#68
#foto2# Einen Text hab' ich, aber (dokumentierende) Fotos muß ich (irgendwann?) nachträglich noch "einkleben"...

Mit einem noch heißeren Sonntag geht es in das Hitzefinale. Da mich mitunter die Touren der vorherigen Tage etwas ausgelaugt haben, möchte ich es am letzten Tag nun entspannter angehen lassen und im Wesentlichen die "Abwurfstelle" des früheren "Trockenen Holzsturzes" aufsuchen, der bis 1936 in amtlichen Karten oberhalb des Königssees zu lesen war und nach dem letzten Ereignis im Jahr 1938 (gem. S.77 fb_38.pdf) darin "getilgt" wurde.

Doch gleich am Morgen mache ich noch einen schnellen Abstecher nach Gegenüber, um den vergitterten Eingang der Salzgrabenhöhle aufzusuchen - auch dieser "Steig" (erst ab 1992 verzeichnet) hat mir in der "Sammlung" noch gefehlt. Das Höhlenportal (960 m) ist relativ groß und war damals, also (erst?) im Jahr 1959, als zwei "Botaniker" dort auf der Suche nach Blümchen waren, nicht zu übersehen. Der am Gitter ausströmende und auch hörbare Luftstrom hat etwa 3-4°C, welch ein Kontrast zur allgemeinen Außentemperatur, die im (trockenen) Wald am Nachmittag auf rund 1000 m Höhe etwa 32°C erreichen wird.

Anschließend, wieder zurück am Wanderweg, beginnt mein eigentlicher Aufstieg mit der Überquerung des Schrainbachs (etwa auf 840 m), der mir zugleich das nötige Trinkwasser für den Tag anbietet. Die mir vom Abstieg am ersten Tag bekannte Route ist schnell gefunden, sofern sie nicht bereits diesen oder einen anderen Namen hat, wäre im unteren Teil "Burgstall-Steig" eigentlich passend, dieser ist heute noch gut begehbar (überwiegend T3, Stellen T4), wenn auch ohne Markierungen und ohne besonderes (Gipfel)Ziel.

Gemäß der alten Kartendarstellung gab es dort früher eine (Holz)Brücke, von der natürlich heute nichts mehr vorzufinden ist. Gleich hinter dem Bach zeigt im Gelände ein Steigansatz nach rechts/östlich, dass dieser wohl ursprünglich am Fuß der botanischen schrägen Felswand vorbei geführt hat, eine spätere Lawine hat dort aber offenbar die vorhandenen Bäume mikadomäßig in den Bach "gespült", der Lichteinfall sorgt nun für eine üppige Grünfläche mit Brennnesseln... Dadurch wird etwas angestiegen und dieser felsige Bereich an passender Stelle gequert.

Unter hohen Bäumen führt nun eine NICHT markierte Spur, hin und wieder sind dort wohl einzelne Bergler unterwegs, anfangs leicht ansteigend, später etwas steiler an felsigen Bereichen vorbei zum westlichen Ende des kleinen aufgemauerten und waagrecht verlaufenden Wegabschnitts hinauf (ca. 930 m). Wozu dieser einst wohl angelegt wurde? Möglicherweise um darauf geschlagene Baumstämme mit einem Pferd/Muli leichter bewegen (d.h. rücken) zu können, eine weitere Verlängerung hatte dann jedoch nicht mehr stattgefunden.

In der Kartendarstellung bis zum Jahr 1936 hat dieser Zustiegs-Steig weiter nach oben noch eine gepunktete Fortsetzung, die sich im welligen Gelände unter dem hohen (Buchen-)Baumbestand mit Gespür anfangs noch erahnen läßt, dann aber mit dem vielen Laub verschwindet. Nun steige ich eher geradlinig die Bergflanke hinauf, gemäß der Karte soll im mittleren Bereich ein noch heute sichtbarer Waldweg verlaufen (eine lange, kurz unterbrochene Linie) und einen markanten Anhaltspunkt bieten.

So ist es, eine noch erhaltene (Natur)Steinmauer "bremst" mich (ca. 1040 m), darauf wie vermutet ein noch gut erhaltener, knapp zwei Meter breiter Weg, den ich zuerst in westlicher Richtung leicht ansteigend zur lange verfallenen Burgstallalm hin erkunde. Kaum zu glauben, dass es dort mal ein Almgebiet gegeben haben soll - bereits in der Karte von 1900 mit dem Attribut "verfallen" markiert, ist es heute ein Bergwald.
Unterhalb eines "Omega-Verlaufs" dieses historische Waldwegs soll es einst eine Holzknechts-Hütte (Holzstube) gegeben haben, doch unter einem großen Stein ließe sich der Grundriss nur aufgrund einiger Fundament-Steine noch erahnen.

Entlang der Höhenlinie verfolge ich diesen Weg nun nach Osten, bis er kurz vor einer schrägen Fläche zur Bergkante hin endet - die historische Stelle des "Trockenen Holzsturzes" ist erreicht (1025 m). Die Bergkante, sie dürfte in der "aktiven Zeit" sicher ziemlich vegetationsfrei gewesen sein, ist heute wieder gut zugewachsen - in der Nähe finde ich nur eine Stelle, die mir einen freien Blick auf St. Bartholomä bietet, so wie es ein historisches Foto aus dem Jahr 1934 zeigt (vgl. S.4 im PDF "Die Holzfälle am Königssee" oder S.15 im PDF vom o.g. "Forschungsbericht (Band 38)").

Bei genauerer Betrachtung könnten es derer drei versetzte von diesen geneigten Flächen gewesen sein, gemäß der DGM-Darstellung dürfte die südliche Fläche damals zum Zweck des Holzsturzes wohl aus dem Gelände heraus präpariert worden sein. Interessant: Bei dieser untersten Fläche fällt mir ein bereits stark verrotteter Baumstamm auf, der genau senkrecht zur Hangkante hin liegt, parallel dazu noch ein "kürzerer" im selben biologischem Zustand. Dies waren einst sicher die Stämme, die dem Holzstoß zur seitlichen Ausnivellierung untergelegt wurden. Unweit davon ragt auch noch ein altes Stahlseil aus dem Boden heraus, die Schlaufe wurde mit zweimal Wickeldraht fixiert.

Anschließend erforsche ich noch etwas das darüber liegende Gelände, auch dort sind Wegansätze noch zu erkennen, aber kaum Baumstümpfe, sondern nur (fast) ausgewachsene Bäume - der letzte Holzeinschlag ist immerhin bereits 88 Jahre her...
Nun fehlt mir die Perspektive auf eine weitere Entdeckungsmöglichkeit, die Wärme trägt sicher auch ihr übriges bei, ich steige "owi wia aufi" ab und gehe mit dem Erreichen der Halbinsel nahe dem Wanderweg in den Königssee zum Erfrischen. Unweit davon fällt mir eine getarnte "Kamera" auf, die laut Nationalpark wohl via Infrarot auf dem Trampelpfad vorbeigehende Personen zählt.

Das letzte Boot des Tages muß ich heute nicht ausreizen, denn mit aufziehenden dunklen Wolken werde ich noch die Heimfahrt antreten.

Fazit:
Für an der Geschichte interessierte Bergler kann sich der Abstecher zur "Abwurfstelle" des ehemaligen "Trockenen Holzsturzes" (vmtl. 24 mal im Zeitraum 1810 - 1938) "lohnen". Knapp südlich davon läßt sich zwischen Bäumen hindurch noch eine ungewohnter Blick auf St. Bartholomä erhaschen, ansonsten ist es dort wenig "spektakulär" und es hat (wohl) kein weiteres (Gipfel)Ziel.
Vielleicht läßt sich darüber noch der felsige Zapfen, "Burgstallstein" (1260 m) erkraxeln, dies würde ich das nächste Mal selbst noch ausprobieren.
Da diese Flanke vollständig mit Wald bewachsen ist, dürfte aus Naturschutzsicht kaum etwas dagegen sprechen.
#69
Am Folgetag, dem Samstag, gilt erstmals der Hauptsaison-Fahrplan der Königssee-Schifffahrt, an dem bereits um 8 Uhr das erste Boot nach Salet am Obersee fährt. Eine passende Gelegenheit also, eine noch "offene Rechnung" anzugehen und dort hinten den Perl-Steig ganz NaturNah (mit Beschreibung der aktuellen Verhältnisse) aufzusuchen.
#70
#foto2# Einen Text hab' ich, aber (dokumentierende) Fotos muß ich (irgendwann?) nachträglich noch "einkleben"...

Am nächsten Tag bin ich zum ersten Boot mit einigen festlich gekleideten Personen auf der Halbinsel St. Bartholomä unterwegs, diesmal den breiten Hauptweg in Richtung zur früheren Eiskapelle. Auf meine Nachfrage hin erfahre ich, dass für eine Vormittags-Messe in der nahen Waldkapelle St. Johann und Paul aufgrund des anstehenden Heimatfestes Peter und Paul vorbereitet wird.
An diesem Tag beabsichtige ich einen weiteren alten Holzknechte-Steig zu suchen, der etwa von dort nach historischer Karte (zuletzt 1966 verzeichnet) den Burgstall(stein) hinauf führen soll.

Meine Suche nach Anhaltspunkten starte ich gleich oberhalb des südlichen Ufers vom Eisbach, der dort bewaldet und mit einigen großen Brocken eines frühzeitlichen Felssturzes durchsetzt ist. Die Proportionen auf der Karte mit der Begebenheit in der Natur abschätzend, macht es aus meiner Erfahrung heraus am meisten Sinn, auf einem leichten Geländerücken aufzusteigen und dann nach links/südlich, weiter leicht ansteigend, dem Ansatz einer Pfadspur zu folgen. Solange keine großen Bäume darüber liegen, wird ein aufgegebener Pfad gerne vom Wild weiter benutzt.

Die Richtung passt gut mit der Kartendarstellung überein und am Beginn eines steileren Aufschwungs wird auch die Spur steiler, weist mit Phantasie noch leichte Zick-Zack-Kehren auf. Mit zunehmender Höhe wird dieser Aufschwung grasiger und schmaler, und genau dort (ca. 740 m) hat sich tatsächlich noch ein Steig (T3) so sichtbar erhalten, als wäre er erst am Vortag häufig begangen worden. Gleich darüber mit etwas Aussicht nach St. Bartholomä grüßt mich ein Steinmann und gibt mir die Rückmeldung, hier auf der richtigen Spur zu sein.

Sowohl bei der Betrachtung des Kartenmaterials, als auch der Bergflanke vom entfernten Schiffsanleger, ist zwischen einer Felswand mit Graben, dem Burgstall-Graben, und einem gegenüberliegendem Abbruch eine ziemlich steile, bewaldete Rampe auszumachen (vgl. auch S.10 fb_38.pdf), an deren unterem Ende ich mich nun befinde und die logischerweise den Raum für eine (enge) Steigführung beinhaltet. Doch durch die Steilheit des Geländes ist im Laufe der vielen Jahrzehnte, die dieser Holzknechte-Steig nicht mehr benötigt und zu wenig begangen wurde, mit Erde, Laub und Steinen zu gerutscht. Hinzukommende Wildwechsel geben mir zusätzliche Interpretationsmöglichkeiten und ich versuche geländeangepasst eher einen direkteren und steileren Aufstieg.

Doch dieser führt mich an einen kleinen Felsriegel heran, der an den botanischen Stellen wohl von den Gämsen überwunden wird. Ich möchte dort - alleine unterwegs mit mehr erforderlicher Sicherheitsreserve - ohne Anhaltspunkte auf die richtige Route nicht hochsteigen, da dann der spätere Rückzug entsprechend heikel werden dürfte. Einen Versuch, in Richtung Graben auszuweichen breche ich durch das abschüssige Gelände ab, es ist unangenehm warm, und so habe ich wohl nicht den üblichen Enthusiasmus. Wieder zuhause werde ich später in einem Touren-Bericht vom Sommer 2018 den Hinweis finden, dass "der Steig auch mal in den (Burgstall-)Graben hinein führt, ohne aber diesen zu durchqueren"...

Relativ schnell bin ich wieder unten am Eisbach und suche mir eine etwas tiefere Stelle, um mich darin hinein zu legen. Dann bleibt mir noch Zeit übrig, neben der Kapelle St. Johann und Paul einen alten Pfadverlauf zu erkunden, der "ganz früher" als Alternative neben dem Eisbach zur Eiskapelle bzw. der Ostwand hinauf geführt hatte (immerhin bis 1984 verzeichnet). Dieser wurde vor Jahren noch mal ausgeschnitten, doch dann ist eine Stelle erreicht, an dem der Bach die Böschung weggerissen hat. Von einem Abzweig kann noch das gemauerte Fundament einer früheren Brücke gefunden werden (sogar vor 10 Jahren noch einsam verzeichnet), doch auch dieser Waldpfad scheint heute aufgelassen zu sein...

Fazit:
Die Existenz dieses früheren Holzknechte-Steigs (mind. T4, wahrscheinlich oben hinaus T5), möglicherweise vor einigen Jahrhunderten angelegt und der nach dem letzten "Trockenen Holzsturz" im Jahr 1938 nicht weiter benötigt wurde, kann grundsätzlich bestätigt werden. Er wurde einst angelegt, um direkt von St. Bartholomä in das obere Holzeinschlag-Gebiet am Burgstall(stein) zu gelangen.
Da auch dieser Holzknechte-Steig zu keinem "sinnvollen" (touristischen) Gipfel-Ziel führt und auch äußerst anspruchsvoll in seiner Begehung und Unterhaltung bliebe, ist sein zunehmender Verfall nachvollziehbar. Nur sehr wenige Bergler haben heute das Können und das Interesse solche alten Steige "auszugraben" - und vielleicht gelüstet es mich irgendwann noch mal nach der oberen Fortsetzung...