Eine unnütze Tour? Nein, im Gegenteil, sondern eine sehr schöne ...

Begonnen von wander-christian, 06.03.2011, 22:54

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wander-christian

Servus,

nach der Tour ist der vor der Tour. Wohin könnte es also dieses Wochenende gehen? Ich wollte gerne mal im Winter den Vorderunnütz probieren, den höchsten Gipfel der Unnütze, etwas nördlich des Achensees gelegen.

Die Überschreitung der Unnütze hatte ich im September gemacht, eine sehr schöne und lohnenswerte Tour über Hochunnütz und Vorderunnütz. Aber im Winter auf über 2000 m Höhe in der Nachbarschaft des Guffert? Bei entsprechender Schneelage und ggf. mit Schneeschuhen sollte der Vorderunnütz von Süden aus machbar sein.

Da hatte ich einen nur 1 Woche alten Tourenbericht auf www.tourentipp.de gelesen und wegen der Gehzeiten bei den aktuellen Schneeverhältnissen nachgefragt. Die Entscheidung war gefallen, am Samstag geht es auf den Vorderunnütz.

Von Tegernsee aus fährt ein Bus über den Achenpaß ins Achental und zum Achensee. Unnützer Weise fährt er erst so spät und der Anschluß von der BOB zum Bus in Tegernseee ist auch noch unnütz lang.

Alternativ hatte ich überlegt, mit dem Rad die 40 km zum Achensee zu machen. Denn den Radweg Bavarica-Tyrolensis von Tegernsee ins Inntal und weiter nach Innsbruck bin ich schon paar Mal gefahren. Aber in der aktuellen Jahreszeit fährt man meistens auf der Bundesstraße. Mein Rad fährt so schlecht auf der Langlaufloipe zwischen Wildbad Kreuth und Glashütte ;D; der Radweg ist erst kurz vor Achenwald geräumt; ich bin auch nicht früher am Einstieg und nach den Kilometern soll's ja noch auf den Berg 'nauf  >:D. (Rückfahrt wäre z.B. ins Inntal nach Jenbach oder zurück nach Achenwald, dann Sylvensteinsee und Lenggries gewesen.

Also dann doch lieber mit BOB und Bus und etwas Freizeit, den Bahnhof in Tegernsee kennenlernen. Am Bahnhof ist ein Schild angebracht. Es erinnert daran, daß die Bahnlinie mal bis zum Achensee verlängert werden sollte. Dazu kam es nicht, irgendwie schade. Der Bus (Linie 9550) ist übrigens im Verkehrsverbund Tirol (www.vvt.at) eingebunden, auch wenn es ein knallroter Oberbayernbus ist. Die Busse der VVT sind übrigens zitronengelb. Im grenzüberschreitenden Verkehr war ich mit dem Busfahrer alleine unterwegs. Ab Achenwald war dann wieder mehr los im Bus. Man hat übrigens in Achenkirch Anschluß zum Bus nach Steinberg am Rofan. Da könnte man dann den Guffert (im Sommer) in Angriff nehmen, allerdings zur besten Mittagshitze, weil man mit dem Bus erst so spät ankommt.

Gegen 10 Uhr war ich schließlich in "Achenkirch Abzw. Christlumlifte". Die Schneeschuhe hatte ich sicherheitshalber dabei. Von der Haltestelle aus geht es ein Stück Richtung Süden zum Achensee, dann links zum Panorameweg hoch. Jetzt heißt es die Bundesstraße zu überqueren. Das kann schon etwas dauern. Auf der anderen Seite geht die Forststraße hoch und bald rechts biegt man Richtung Köglalm ab. Man kann auf der Forststraße bis zur Köglalm gehen, wahrscheinlich empfehlenswert bei mehr Schnee als am Samstag. Ich bin auf dem Köglsteig gegangen, der von der Forsstraße abzweigt. Der Steig war zum größten Teil schneefrei und trocken, nur der letzte Graben vor der Köglalm war schneebedeckt, dort wo die Sonne nicht hinkommt. Da heißt es aufpassen, weil es hier zu queren gilt. Nach knapp 1:30 Stunden ab Bushaltestelle bin ich an der Köglalm angekommen. Ab hier lag streckenweise mehr Schnee, Spuren gab es genug. Nach weiteren 20 Minuten kommt man zur Abzweigung nach Steinberg, eine alternative Abstiegsroute, aber dorthin gab es keine Spuren. Schließlich geht es Richtung Norden den Berg hinauf, im Rücken die Sonne bei strahlend blauem Himmel, am Rucksack die Schneeschuhe. Sobald sich die Bäume zurückziehen, geht es durch Latschen weiter. Da war es schön warm ... Eine kurze, ausgesetzte, felsige Passage muß gequert werden. Ohne Schnee kein Problem, bei Schnee kann das anders sein. Je höher man kommt, um so toller wird die Ausssicht, auf Kaiser, Rofan, den Achensee, Karwendel und Berge, die ich nicht kenne ... 

Zwischen den Latschen wird der Schnee immer mehr, aber der Weg ist gut gespurt. Ich bin beim Aufstieg nicht eingesunken, obwohl ich eigentlich spät unterwegs war und die Sonne das ihre beigetragen hat.

Die letzten 20-30 Minuten geht es über freie Hänge zum Gipfelkreuz. Hier könnte man linker Hand noch die Schneeschuhe zum Gipfel einsetzen. Ich bin aber weiter zu Fuß. Nach knapp zwei Stunden von der Köglalm war ich am Gipfel bei besten wetter, herrlicher Fernsicht, einem leichten Wind, ein Traum.

Der Hochunnütz im Nordern hatte auch Besuch von Wanderern. Sie versuchten Richtung Vorderunnütz zu gehen. Wer die Tour vom Sommer kennt, weiß daß man vor dem Vorderunnütz in die Ostflanke wechseln muß. Dort hängen der Schnee und die Wächten drinnen, kein gangbarer Weg im Winter.

Nach einer einstündigen Pause ging es auf gleichem Weg wieder runter zur Köglalm: Beim Abstieg bin ich ab und zu eingesunken, der Schnee hat langsam an Festigkeit verloren. Vom Gipfel bis zur Köglalm war ich ca. 90 Minuten unterwegs. Dort habe ich noch mal eine Viertelstunde Sonne und Flüssigkeit getankt und bin wieder auf dem Köglsteig ins Tal gegangen. Kurz nach der Aussichtsbank teilt sich der Steig. Ich gehe hier jetzt Richtung Fischerwirt, Achensee, nicht dem ursprünglichen Aufstiegsweg entlang. Am Fischerwirt komme ich nach etwa 45 Minuten von der Alm an. Die Bundestraße quer man hier durch eine Unterführung. Angenehm. Noch ein kurzer Abstecher zum Achensee, der jetzt schon im Schatten der Berge liegt. Nordwärts geht es zur nächsten Bushaltestelle ("Achenkirch, Abzw. Achensee"), die ich gegen 17 Uhr erreiche.

Einige zitronengelbe ÖBB-Busse fahren, aber heute gibt es nur noch einen Bus nach Tegernsee, kurz nach halb sechs Uhr. Ich gehe noch die paar Meter zu meiner Ankunftshaltestelle. Das Gute: Im Achental gibt es fast an jeder Milchkanne eine Haltestelle, keine ist unnütz. Dafür waren meine Schneeschuhe unnütz. Den Grödeln ging es auch so, sie waren dieses Mal e ebenso unnütz. Ich hätte sie zu oft wechseln müssen. Auch die Gamaschen hatten heute ein unnützes Schicksal.

Mit dem Bus geht es zurück von Tirol nach Bayern, vom Achensee an den Tegernsee. Ein sehr schöne Tour ...

Vielleicht war auch Tourbericht nicht ganz unnütz :) und ihr habt bis zum Ende durchgehalten #angel#.

Grüße,
Christian


Bilder der Tour:


Blick auf Achensee und Seekarspitze

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Köglalm

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Blick vom Vorderunnütz zum Hochunnütz

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Blick zur Bushaltestelle  :)

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Blick zum Juifen

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wastl

sehr guter Bericht, Danke, der weckt sehnsucht, leider geht heuer nichts bei mir,

ehemaliges Mitglied

Hallo (Wander-) Christian,

da wären wir uns ja am Samstag beinahe über den Weg gelaufen.  :)

wander-christian

(Da die verlinkten Bilder nicht mehr zugreifbar waren, Artikel umorganisiert und Bilder neu eingestellt.)


Blick vom Gipfel

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Rückblick zum Vorderunnütz

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Beim Abstieg

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