Vom Hahnenkamm zum Schwarzkopf - Lange Gratüberschreitung in der Texelgruppe

Begonnen von StefanMuc, 08.07.2014, 16:14

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StefanMuc

Servus,

nach einer Woche in Südtirol gibt es wieder einige neue Eindrücke, die ich in dieser schönen Gegend sammeln durfte.
Am 03.07.14 ging es für mich früh morgens mit dem Auto Richtung Venuer. Auf der steilen Bergstraße biege ich ab und fahre bis nach Gfeis. Hier steige ich gleich vom Parkplatz auf Steig 21 steil aufwärts Richtung Hahnenkammhütte.
Heute verspricht es ein besonders schöner Bergtag zu werden, die Fernsicht ist beeindruckend und wird - je höher ich komme - immer umfassender.



Blick zum Ortler:


Blick vorbei am Ifinger in die Dolomiten


So steige ich zügig hinauf, passiere eine schön gelegene Alm und bin schon bald an der Hahnenkammhütte. Von hier ist's nicht mehr weit bis zum Gipfel auf dem Pfitschjoch. Ein paar Kehren und schon stehe ich auf dieser wunderbaren Aussichtswarte. Nach einer kurzen Rast steige ich weiter bergauf, bald zieht der markierte Steig nordwärts Richtung Obisellalm. Ich steige auf einem deutlichen Pfad aber aufwärts, halte mich in der Flanke.



So geht es stetig hinauf, man weicht nordwärts aus und steigt dann auf die Flanke und erblickt den Kessel mit der Obisellalm.



zur Linken schiebt sich der Hochwart ins Bild. Es geht Richtung Süden bis auf den Grat, über welchen man das Gipfelkreuz erreicht.



Der Ausblick vom Hochwart ist sehr schön. Man sieht gut in die Texelgruppe und die benachbarten Gebirgsgruppen.
Drüben die Flanke der Mutspitze.



Der Ausblick auf das benachbarte Spitz Horn und den langen Gratverlauf lassen nur erahnen, was mir noch bevorsteht.



Also geht es unschwer hinab und an den Aufschwung des Spitz Horn heran. Durch die Gras- und Schrofenflanken steigt man mit etwas Handeinsatz schnell hinauf zum kreuzlosen Gipfel.



Dem Grat weiter folgend steige ich steil hinab in die Senke hinter dem Spitz Horn. Nun geht es zuerst einmal sanft weiter, bevor der Grat etwas schärfer wird. Der Blick zurück zeigt den Hochwart und das Spitz Horn vor der Traumkulisse der Dolomiten



Nun halte ich mich auf dem Grat oder weiche südseitig aus, falls der Grat zu schmal wird. Das Gelände wird südseitig zunehmend immer steil abfallender.
Nordseitig laufen geneigte Platte ins Kar, hier liegt zum Teil noch einiges an Schnee.
So balanciere ich weiter, der Ausblick zeigt, dass ich bald die Platten übersteigen werde.



Die ersten Platten überklettere ich in den Rissen, hier kann man gut aufsteigen.



Da das Ganze langsam eine gewisse Würze hat, frage ich mich, was der AVF mit "lange Unternehmnung, unschwierig" meinte. Unschwierig ? Das Gelände wird mit den folgenden
Metern immer ausgesetzter, meist bewegt man sich auf schmalem Gesimse in der abbrechenden Südseite.
Bisher habe ich schon einen Großteil des Grates hinter mir gelassen.



Es bleibt weiter äußerst luftig. An einer Stelle geht es steil hinab, ich blicke direkt am Grat hinab und entscheide mich wieder für ein Ausweichen in die Südflanke.
Hier geht es äußerst vorsichtig hinab, ich hangele mich an den hoffentlich fest sitzenden Felsplatten abwärts.



Der weitere Ausblick lässt mich wieder an der Formulierung "unschwierig" zweifeln.



Weiter geht's, ich passiere die Felswände und kann endlich schöne Blicke in die Texelgruppe werfen, Lodner, Hohe Weisse, Tschigat, es reiht
sich die gesamte Prominenz vor mir auf.



So gelange ich an den Grataufschwung, der den Handeinsatz voraussetzt. Ob man dieses Stück leichter umgehen kann, weiss ich nicht. Südseitig fallen die Hänge steil ab, nordseitig versperrte mir ein Schneefeld den Weiterweg.
Also ging es nun auf dem Grat in direkter Linie hinauf.



An guten Griffen geht es gutmütig hinauf, bis ich auf die Stelle neben dem markanten Dach gelange.



Hier ist der Fels sehr steil, ich probiere ein wenig herum.
Ich setze mehrfach an, aber es gelingt mir nicht auf Anhieb.



Ich schaue nach Alternativen, es gibt keine. Absteigen und woanders probieren ? Ich setze nochmals an, greife sehr hoch. Eine schmale Leiste für den Fuss ist gefunden.
1000m tiefer geht es talwärts, ein Sturz wäre fatal. Ich packe zu und ziehe mich kräftig hinauf. Geschafft! Das war definitiv meine Schlüsselstelle der Tour auf
dieser Gratwanderung.
Der Grat ist nun wieder sehr breit.



Ich steige aufwärts und sehe, dass ich den Schwarzkogel erreicht habe. Was für eine Freude! So lege ich erstmal alles ab und raste ein wenig.
Der Blick auf die Spronser Seen ist faszinierend.



Weiter unten westwärts steht ein großer Steinmann am Faglsjoch. Doch mir fällt vorher noch das Gipfelkreuz auf dem benachbarten Berg auf. Ein Blick in die
Karte verrät mir, dass es sich um den Schwarzkopf (Cima Nera) handelt.



Also geht es hinab Richtung Joch, an diesem vorbei und dann den Schneefeldern ausweichend hinauf auf die Schneide. Zumindest hoffe ich, dass der von Süden und Osten
recht unzugängliche Berg dort zahmer ist. Beim Rückblick kann ich mir einen Teil der bisherigen Tagesarbeit anschauen.



Nach dem Aufstieg sehe ich, dass der Berg von Westen auf einfachem Steig erstiegen werden kann. Also spule ich die letzten Kehren ab und stehe dann auf dem letzten Gipfel für heute.





Nach einer längeren Rast steige ich wieder zum Faglsjoch zurück. Dabei nutze ich die aufgefirnten Schneefelder.
Am Joch führt ein Steig Richtung Falser Alm. Steil geht es hinab.





Ich orientiere mich aber bereits anfangs Richtung Becken Obisellalm.
Dazu quere ich hinüber zu den Schneefeldern und bahne mir den Weg mit möglichst wenig Höhenverlust.
So geht es hinab, teilweise sehr steil ist abzusteigen. Schon bald entfernt sich das Joch immer mehr.



Ich übersteige zahlreiche Bächlein und quere noch einige Schneefelder. Man wandert nun unterhalb des Grates, über den ich gekommen bin.
Nach einer Weile treffe ich auf den markierten Steig, der Richtung Obisellalm bzw. St. Martin im Passeier führt.



Diesem geht es nun zuerst wieder aufwärts, dann steigt man ein Stück ab und gelangt zu einem Wegweiser. Für mich zieht
der Steig nun rechter Hand ins Saltauserjoch.



Ein letzter Gegenanstieg, dann stehe ich oben und sehe schon bald den Obisellsee, der direkt neben der Hütte liegt.



Die urige Hütte liegt mit wunderschönem Ausblick auf 2160m Höhe, bietet gute Küche und man kann auch übernachten.



Nach einer Einkehr geht es weiter. Ich steige zuerst wieder ein Stück ab, gelange so an die Untere Obisellalm (unbewirtschaftet).



Dann zieht der Steig wieder Richtung Hahnenkammhütte. Der Weg verläuft hier nahezu eben und man quert hinüber.



Von der Hahnenkammhütte geht es über meinen Aufstiegsweg flink hinab zum Auto.


Die Gratüberschreitung ist eine lange, zum Ende hin oft ausgesetzte Bergtour, bei der - je nach Routenwahl vermutlich - auch die Hände an den Fels gelegt werden müssen.
Die landschaftlichen Eindrücke sind großartig, von den Spronser Seen über die Karfläche hinab zur Obisellalm hat man viel Abwechselung.


Stefan

Brixentaler

Dürfen wir von jedem Tag einen Tourenbericht erwarten? Ich bin schon gespannt auf Deine weiteren Erlebnisse und schönen Fotos! Was für eine Kamera verwendest Du denn?

StefanMuc

Servus Brixentaler,

ein paar Berichte folgen noch, die Woche wurde jeden Tag genutzt, egal bei welchem Wetter  ;)
Als Taschenkamera nehme ich eine Canon Powershot S100, als Spiegelreflex eine D40 mit einem Nikor 18-200mm Objektiv.


Stefan