Rechenberg Überschreitung am 11.07.2015

Begonnen von Peter Dietz, 12.07.2015, 21:56

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Peter Dietz

Helmuth Zebhauser (1927 – 2014) galt als profunder Kenner der Chiemgauer Alpen. In seiner wunderbaren und mich sehr ansprechenden Monographie über dieses dunkelschöne Waldgebirge schreibt er unter dem Abschnitt "Wössener Berge", daß sich der Rechenberg auf Karten am auffälligsten nimmt, er aber in Wirklichkeit ein unbedeutender Rücken sei. Leider reduziert sich diese Betrachtung auf den Großen Rechenberg, interessanter sind ihm hier offenbar Rachelspitz und Hochscharten.

Ich vermute, daß in dem von ihm und Marianne Zebhauser herausgegebenen AV-Führer "Chiemgauer Alpen" mehr Hintergrund und Routenbeschreibungen zum Rechenberg und seinen Gipfeln enthalten sind. Leider ist dieser Band vergriffen.

Sehr viel differenzierter und einladender als in o.g. Monographie wird eine Überschreitung des Rechenbergs in Abseits-Aufwärts, Band 2, beschrieben. Meine Frau und ich sind dieser Einladung gefolgt und haben die etwas abenteuerliche Überschreitung gestern durchgeführt.

Nachfolgend gebe ich eine kurze Zusammenfassung der Tour. Wiederholungen zu AA2 und dem ausführlichen Forums-Beitrag von eli (06. bis 08. August 2013) versuche ich weitestgehend zu reduzieren (ich bitte um Nachsicht).

Die klettertechnischen Anforderungen dieser Tour überschreiten niemals UIAA I. Genauso wichtig wie die klettertechnische Beherrschung dieses Grades sind aber auch Trittsicherheit, ein ausgeprägtes Orientierungsvermögen und Freude an einer abenteuerlichen Unternehmung.

Gestartet sind wir auf dem großen Parkplatz in Unterwössen Grund. Will man die Forststraße vermeiden, sollte gleich nach der Brücke über den Kaltenbach das Steigerl am Waldrand benutzt werden. Es bringt uns durch Wald bis knapp unterhalb des ersten Gehöfts von Widholz (bei Verzweigungen rechts bleiben).

Noch in Widholz kann man die Forststraße wieder nach links auf einen Forstweg verlassen. Nach einer markanten Rechtskurve wird der Weg immer schmaler und schwerer einsehbar. Zeitweise ist es im dichten Unterholz äußerst schwer den undeutlichen und überwachsenen Pfadspuren zu folgen. Auf ca. 850 Meter Höhe vereinigt sich der Pfad wieder mit der Forststraße.

Ab hier empfehlen wir der Forststraße nach links hinauf etwa 1 km zu folgen. Dann zweigt bei einem Wegweiser eine Forststraße nach rechts ab, die uns zur idyllisch gelegenen Schmierperlach-Alm Diensthütte bringt. Nur wenige Meter nach der Hütte zweigt links am Waldrand der Steig ab, welcher hinauf zum Kohlrücken führt. Abzweige nach rechts werden auf diesem Steig nicht beachtet. Weiter oben im Fichtenwald haben wir den Steig verloren, sind dann aber in einem Linksbogen nach oben querend in dem kleinen Sattel direkt nach dem Kohlrücken auf dem nun wieder erkennbaren Steig herausgekommen.

Ab hier haben wir dann den Kamm verfolgt, hinauf nach Osten steigend. Man sieht immer wieder Steigspuren, wird aber auch mit vielen umgestürzten Bäumen konfrontiert, die das Orientierungsvermögen auf die Probe stellen. Einige Zeit vor dem unscheinbaren, mit einem Steinmann geschmückten Gipfel des Großen Rechenbergs ist das streckenweise steile Waldgelände mit Schrofen durchsetzt. Hier muß man hin und wieder auch die Hände einsetzen.

Nach dem Gipfel des Großen Rechenbergs steigen wir über umgefallene Bäume hinab in einen Sattel. Dort am Waldrand bei einem Wegweiser folgen wir der Wiese wenige Meter an ihrem rechten Rand. Dann geht es auf gut erkennbaren Steigspuren in den Wald hinein und weiter auf dem Kamm. Wir folgen den Steigspuren, die uns zu einer sumpfigen Wiese bringen und über diese Wiese zu einem mit Steinen erleichterten Übertritt über einen Stacheldrahtzaun. Der mit Wurzeln und Schrofen durchsetzte Steig bringt uns nach Osten querend zum südlichen Gipfelaufbau des Dampfschiffes. Abzweige nach rechts werden vorerst nicht beachtet. Bald befinden wir uns unterhalb des sichtbaren Gipfelkreuzes und steigen über Schrofen und Wurzeln zum Gipfel hinauf. Neben Gipfelkreuz und Gipfelbuch hat man, wenn auch nach Norden etwas eingeschränkt durch den Hochgern, eine schöne Sicht auf die herrlichen Chiemgauer Alpen, auf das Kaisergebirge und einen Teil des Chiemsees. Außerdem schmücken den Gipfel einige schöne Polster von Hauswurz.

Nach längerer Gipfelrast steigen wir nur wenige Meter auf dem Anstiegsweg zum Gipfel ab und folgen den Steigspuren bei einem Abzweiger nach links zum nächsten Felszahn. Von dort haben wir noch einmal einen schönen Blick auf das Dampfschiff, bevor es etwas steil hinab in eine Scharte und von dort im Wald weiter nach Osten hinauf geht. Kurz vor dem Kleinen Rechenberg gelangen wir über einen Zaun und eine Wiese zur schön gelegenen Kleinrechenberg Diensthütte, auf deren linken Seite es wieder über einen Zaun hoch zum Gipfelkreuz geht (das aber nicht am höchsten Punkt steht).

Unterhalb der Hütte steigen wir noch einmal über einen Zaun und folgen einem Steig durch den Wald hinab nach Südosten. Der Steig verliert sich am unteren Ende des Waldes auf einer großen Wiese, die wir nach rechts unten queren, bis wir bald danach zur Großen Rechenberg Alm gelangen. Hier hat uns die Zivilisation wieder zurück, und wir freuen uns über die von der Almerin angebotene Erfrischung.

Nach ausgiebiger Rast folgen wir der Forststraße nach Südosten den Berg hinab. Nicht lange danach biegen wir beim Wegweiser zur Burgau-Alm nach links von der Forststraße ab. Der Waldweg bringt uns in etwa parallel zur Forststraße, aber ein Deck tiefer, zu einer großen Wiese. Hier halten wir uns am rechten Rand der Wiese, bis wir diese wieder durch ein Gatter verlassen und den Weg weiterverfolgen. Dieser mündet bald zurück in die Forststraße. Bereits nach zwei Kehren verlassen wir die Forststraße aber wieder, diesmal nach rechts in einen schönen Waldweg, der nun ein größeres Stück dieser Straße abkürzt. Schließlich gelangen wir doch wieder auf die Forststraße und schlendern auf ihr gemächlich zurück nach Widholz. Ganz kurz unterhalb von Widholz biegen wir nach links in das kleine Steigerl ein, das uns durch Wald zurück zur Brücke über den Kaltenbach und zum Parkplatz bringt. Unser Abenteuer hat ein Ende.

Liebe Grüße
Peter